Pest in Krombach

Die Pest im Krombacher Kirchspiel

Der dreißigjährige Krieg dauerte nun schon etliche Jahre und es sah immer noch nach keinem Ende aus. In Ferndorf hatten die Kaiserlichen zwei Soldaten erschossen. Den Müsenern hatte man das Vieh aus den Ställen getrieben. Jost Bender, der es zurückholen wollte, wurde dabei erschossen. Dies alles sagte Peter Dahm

Die erste Krombacher Kirche wurde von 1250 bis 1300 gebaut. Bis heute existiert eine Gebetsglocke aus dieser Zeit (Bild von Reinhold Thor)

seinem Nachbar Hannes Meußborn.

Aber das Schrecklichste, bei all den Kriegsgefahren, ist die Pest. “Weißt du noch, als vor zwei Jahren ein Geselle, der das Löherhandwerk betrieb, die schwarze Pest aus Hachenburg nach Ernsdorf brachte?” Im Kirchspiel Ferndorf starben die Menschen seinerzeit wie Fliegen. Uns hatte damals der Herrgott verschont. Aber nun redete man, dass bei uns im Kirchspiel die Pest Einzug gehalten hätte. Das wird doch hoffentlich nicht wahr.

Am 30. Dezember 1621 starb der Ferndorfer Pfarrer Georg Stoever einen schnellen Tod an der geschwinden Seuche der Pest. Man hatte für den Verstorbenen keinen Platz  mehr auf dem Totenhof gefunden. So hatte man ihn

Die ehemalige Kapellenschule von Littfeld. Littfeld wurde bereits 1250 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Besiedelung soll bereits schon vorher erfolgt sein (Bild von Dieter Steffmann)

auf seinem Eigentum, wie andern Ortes auch üblich, am 3. Januar 1622 beigesetzt.

Möge Gott uns doch vor Pestilenz und dem Tod bewahren. Fuhrs Johann war in Littfeld ein Kind gestorben und seine Frau und er lagen schon auf dem Totenbett. Auch zwei weitere Kinder von ihm waren schon erkrankt. Auf der Straße heulten die Littfelder laut und sagten es wäre die Pest. Peter Dahm kam gerade von da und hatte das Elend gesehen.

Auch in Hilchenbach wütete seinerzeit gnadenlos die Pest. So starben am 19. Januar 1635 die ersten zwei Personen an

Der Kleffweiher in Burgholdinghausen. Das Dorf wurde 1079 das erste Mal urkundlich erwähnt und ist eines der ältesten Dörfer im Siegerland. Es war der Sitz des Geschlechtes von Holdinghausen

der Seuche. Der schwarze Tod breitete sich im Kirchspiel Hilchenbach sehr schnell aus. So starben bis zum 16. Januar 1636 noch 393 Personen. Ob sie alle an der Seuche verstarben, ließ sich nicht mehr feststellen.

Wenn es uns packte half nichts mehr, dann wären wir verloren, denn wir waren in dieser schlechten Zeit gar nicht mehr widerstandsfähig. Nachbar gib nicht gleich die Hoffnung auf. Es wäre ja möglich, dass die Krankheit nicht weiter um sich griff. Ich wollte heute Mittag zur Guckuckschen nach Kredenbach und mich von ihr beraten lassen, dass die Pest an mir und meiner Familie vorbei ginge. Guckucksche war der Volksname einer Frau die heilende Kräfte besessen haben sollte. Da hilft nur Beten bei diesem Teufelswerk, damit die Seele nicht verloren ginge. Ich ging nicht mit. Hannes ging schnell nach Hause um die

Zum Schutze gegen die Pest trugen Ärzte im 17. Jahrhundert eine Maske. Im schnabelartigen Fortsatz befanden sich Kräuter oder Essigschwämme zum Filtern der Luft

Schreckensbotschaft zu verkünden.

Peter Dahm nahm seinen Eichenstock und sagte seiner Frau, er hätte in Kredenbach etwas zu besorgen. Er ging eilig zur Guckuckschen nach Kredenbach, der man Hexenkünste zutraute. Er grüßte die Guckucksche und sie sagte, sie hätte ihn schon erwartet. Peter, willst du einen Trunk oder ein Sprüchlein gegen die Pest? Dich wird es nicht erwischen aber deine Kinder alle, da half kein Spruch und kein Trunk mehr. Ist das wahr Guckucksche, schrie Peter laut?

Ich sah es ganz klar mein Spruch ist wahr. Vier Leichen sah ich auf einem Karren und keiner wollte ins Grab sie scharren. Hier hast du drei Thaler, es ist alles was ich bei mir habe und helfe mir gegen die Pest. Einen nehme ich, die anderen werfe in den Opferkasten. Ich konnte dir nicht helfen ich sah nur voraus. Es halfen kein Segen, kein Wort und kein Weg die anderen waren mir zu stark. Schreie zu Gott aber der hatte seinen Plan schon fertig.

Die oben erwähnte Guckucksche, der man angeblich magische Kräfte voraussagte, war Barbara, Peter Stoevers

Pestarzt mit Schnabelmaske und Stock zum Fernhalten der Kranken. Er hatte Lederhandschuhe an und einen weiten, langen Mantel

Seelig hinterlassene Witwe zu Kredenbach. Sie wurde am 1. März 1653 in Hilchenbach in einem Hexenprozess verurteilt um verbrannt zu werden. Der Rat der Stadt Hilchenbach hatte am 25. Mai 2011 die sozialethische Rehabilitation, der unschuldig hingerichteten Personen in den Hexenprozessen, so auch  Barbara Stoevers von Kredenbach die Guckucksche, beschlossen.

Wie erschlagen ging Peter nach Burgholdinghausen zurück. Herr Gott rief er immer vor sich hin erhalte mir doch eins. Da schallte es zurück - keins. Er eilte wie benommen nach Hause wo sein Töchterchen Margreth schon krank war. Wo warst du denn gewesen mein Kind? Nur in Littfeld, da fuhren sie ein Kind auf einer Karre und warfen Erde drauf.

Peter wusste Bescheid und saß sprachlos da, während seine Frau sorgenvoll im Haus hin und her ging. Nur noch wenige Tage lebte das Kind und es kamen immer wieder neue Todesnachrichten aus dem Kirchspiel. Peter Dahm hörte gar nicht mehr zu was man ihm erzählte, es war ihm alles egal.  

Nach dem sein Töchterchen gestorben war, hatte man einen Tag später Johann Fuhr und seine Frau begraben und dann noch zwei ihrer Töchter. Der Nachbar von Peter Dahm, Johannes Holdinghausen, starb einen Tag später an der Pest. Es folgten Martin Happel aus Littfeld und sein Weib. Der

Hans der Pestkranke (Bild von Bernd Ackenhausen)

schwarze Tod schritt immer schneller voran. Wollte es denn kein Ende nehmen? Im September starben noch fünfzig im Kirchspiel und im Oktober waren es über siebzig. Nun ging die Seuche langsam zurück, nachdem ganze Familien ausgestorben waren.

Peter Dahm musste mit ansehen wie ein Kind nach dem anderen von ihm dahin gerafft wurde. Es half nichts sich zu wehren, denn es war ja alles schon vorher bestimmt. Sein Blick war starr geworden. Herr gib mir Kraft und lass mich’s ertragen stöhnte er immer wieder, dass wir nicht verzweifelten gib mir und meinem Weibe deinen Trost. Johannes Meußborn hatte auch erleben müssen wie ihm zwei Söhne und eine Tochter starben. Dann packte es ihn selbst und die Pest riss ihn ins Grab.

Die Pest forderte während des dreißigjährigen Krieges, die 1635 im Kirchspiel Krombach ausgebrochen war, von den Littfeldern 47 Prozent und von den Holdinghausener 66 Prozent der Bevölkerung.

Pferdekarren mit Pestleichen

Aus Krombach und den anderen Orten des Kirchspiels, welche so hart von der Pest getroffen waren, wurden immer wieder Karren mit Leichen hinaus zu den Friedhöfen gefahren. Ganze Häuser wurden leer und niemand wollte sie beziehen. Langsam zerfielen sie und Unkraut umwucherte sie. Der spätere Geröllhaufen war ein Zeichen, dass hier einmal ein Wohnhaus gestanden hatte, dessen Bewohner der Pest zum Opfer gefallen waren. 

 

 

Quellennachweis:
Reinhard Gämlich : Archiv der Stadt Hilchenbach
Dr. Lothar Irle : Der schwarze Tod im Kirchspiel Krombach
Die Pest wütet : Von Kindelsberg und Martinshardt
Wikipedia : Littfeld
Hermann Engelbert : Hinterhüttische Chronik
 

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